Donnerstag, September 02, 2010

Roxy Music, Rock en Seine, 29.08.10


Konzert: Roxy Music

Ort: Scène de la Cascade, Festival Rock en Seine bei Paris

Datum: 29.08.2010

Zuschauer: zigtausende

Konzertdauer: 1 Stunde


Von Bryan Ferry habe ich zum ersten mal in den frühen 1980 er Jahren Notiz genommen. Mein Vater war stolz mit einer Vinylsingle von Jealous Guy nach Hause gekommen und ließ die zartschmelzende Ballade in der Folge rauf und runter laufen. Damals wusste ich nicht, daß es sich um ein Cover von John Lennon handelte und auch von Roxy Music, Bryans früherer Band hatte ich noch nie gehört. Später sah ich dann Videos in Manfred Sexauers Sendung Musikladen* und war geschockt, wie die Typen von Roxy Music rumliefen. Grell geschminkt, fiese Haare, Plateauschuhe, unglaublich kitschiger Fummel. Ich fand das krass. So also sahen Glamrocker aus. 1987 kam ich erneut mit einem Star aus der Glamszene in Kontakt. Es handelte sich um David Bowie, den ich zusammen mit meinem Vater beim Festival Rock am Ring während seiner Spider Tour erlebte. Ein prägendes Erlebnis. Spätestens jetzt wusste ich, daß sich mein Leben stark um die Musik drehen würde.

Ende August 2010 stehe ich zusammen mit meiner französischen Frau vor der Bühne de la Cascade in Paris und warte auf den Festivalauftritt von Bryan Ferry und seinen wieder vereinten Roxy Music. Um uns rum tummeln sich etliche Oldies mit zerknautschten Gesichtern. Ich mit meinen 39 Lenzen bin noch einer der Jüngeren, aber natürlich mischen sich zwischen die alten Säcke auch noch ein par Youngsters , die Roxy Music sehen wollen, obwohl sie mit ihnen keine nostalgischen Gefühle verbinden. Um viertel vor neun geht es los. Die Bühne ist gut ausgefüllt. Es gibt nicht weniger als vier soulige Backgroundsängerinnen (so etwas mag ich eigentlich weniger, naja), eine junge Geigerin in güldnem Overall und neben Ferry auch noch zwei andere Originalmitglieder von Roxy Music: Andy Mackay am obligatorischen Saxofon und Phil Manzanera an der Gitarre. Der Sound ist von Beginn an gut, sehr harmonisch und ausgewogen. Man merkt sofort: Hier sind Könner am Werk! Zwar würde man heutzutage einige Arrangements nicht mehr so machen, aber schlecht gealtert wirkt die Musik von Roxy Music nicht. Sie waren damals ja schon Vorreiter und ihrer Zeit voraus. Ohne Frage haben sie bewußt oder unbewußt wichtige Bands und Künstler wie Joy Division, The Psychedelic Furs, Siouxsie and The Banshees, Nick Cave, The Talking Heads und aus heutiger Zeit auch die Tindersticks und Arcade Fire beeinflusst. Nicht auszuschließen, daß die Veranstalter ganz bewusst Roxy Music neben Aracde Fire verpflichtet haben. Ungefähr nach dem Motto: so klang Rock Musik damals und so klingt sie heute. Das Set wird eingeleitet von den Klassikern Re-Make/Re-Model und Out Of The Blue, der erste Song, der mich so richtig packt ist aber While My Heart Is Still Beating. Was für eine unglaublich schöne Ballade das ist! Selbst das mir so verpönte Saxofon stört nicht die Bohne. Die Stimme von Bryan Ferry ist immer noch so sensationell wie eh und je. Der elegante Herr ist immerhin 65 Jahre alt, aber das merkt man ihm in keiner Weise an. Seine Figur ist nach wie vor gut im Schuß, da kann man wirklich nicht meckern. Mit Avalon kommt gleich noch ein andere Hochkaräter vom gleichnamigen 2. Album. Dann Ladytron. Ob sich die Girlgroup nach diesem Song benannt hat? Klingt wie Bowie, wen wundert's? Cool hier die Tempowechsel, das energische Saxofon, die wilden Giatrrensoli. Für 1972 unglaublich modern, aus heutiger Sicht etwas verwirrend, aber nicht lächerlich. Das Konzert schreitet voran, Ferry begeistert die Franzosen mit dem Song For Europe, bei dem einige Textpassagen in französisch gesungen werden.

Das Finale gestaltet sich fetzig. Love Is The Drug (später von Grace Jones gecovert) und Do The Strand sind nach wie vor zugkräftige Tanznummern und das Publikum freut's. Das wiederum freut Bryan Ferry und zwar ungemein: "What a great audience you are" ruft er begeistert der Menge zu und man merkt, daß er das aufrichtig meint. Die Band probt den Abgang, wird aber für Zugaben zurückgeklatscht. Let's Stick Together ist ein bißchen fies, aber dann kommt zu meiner Überraschung auch der Yealous Guy. "I'm sorry that I made you cry" singt Ferry und der Text passt irgendwie. Ich werde plötzlich schmerzlich an meinen Vater erinnert und bedauere, daß ich dieses Konzert nicht mehr mit ihm zusammen sehen konnte. Schön war's nämlich.

Setlist Roxy Music, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Re-Make/Re-Model
02: Out Of The Blue
03: While My Heart Is Still Beating
04: Avalon
05: Ladytron
06: Song For Europe (en partie en français)
07: In Every Dream Home A Heartache
08: Love Is The Drug
09: Editions Of You
10: Do The Strand

11: Let's Stick Together
12: Jealous Guy


* hier gibt es zum Beispiel eins.


Konzertankündigung Thos Henley


Konzertankündigung

Orte & Daten: siehe unten


Thos Henley, in Paris lebender Brite wird seine romantischen Folksongs nun auch erstmalig einem deutschen Publikum vortragen. Bekannt geworden durch eine stimmungsvolle Oliver Peel Session (héhéhé), klettert der hochgewachsene Blondschopf nun die Karriereleiter immer ein Stücken weiter nach oben. Stilistisch liegt er voll im Trend. Man könnte ihn ohne weiteres der jungen britischen Folkszene um Mumford & Sons, Johnny Flynn, Laura Marling oder Noah & The Whale zurechnen. Ich halte große Stücke auf ihn, aus dem Burschen wird was!

Deutsche Konzerttermine von Thos Henley:

03.09.2010: Societätstheater, Dresden
04.09.2010: Societätstheater, Dresden
06.09.2010: Astra Stube, Hamburg

Anmerkung: Unter dem Search Label Thos Henley findet ihr etliche Konzertberichte über den Engländer.

The Kooks, Festival Rock en Seine, 27.08.10


Konzert: The Kooks

Ort: Domaine National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine

Datum: 27.08.10
Zuschauer: zigtausende

Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten




Nicht sonderlich viel Neues gibt es über die Kooks zu berichten. Nach wie vor sind Luke Pritchard und seine Kollegen die Lieblinge der jungen, hysterischen Mädchen. Aus optischer Sicht verstehe ich das immer noch nicht ganz, in musikalischer Hinsicht ist es jdeoch durchaus legitim, die Kooks toll zu finden. Mit ihrem souligen Britrock haben sie zwar nichts Originelles erfunden, aber ihre Sonsg sind dermaßen catchy und die Bühneshows dermaßen energiegeladen, daß einfach keine Langweile aufkommt. Ihre zahlreichen Hits kann man gut und gerne bereits jetzt als Klassiker der englischen Musikszene der letzten zehn Jahre bezeichnen. Ob You Don't Love Me und Ohh La vom ersten, oder Sway und Shine On vom Zweitlingswerk, alles zündete. Das Stimmungsbarometer schlug aber eindeutig bei Do You Wanna (Make Love To Me)? am stärksten aus. Ein Lied für das sich Luke, wenn er älter ist, vielleicht irgendwann mal schämen wird, daß aber hier und heute einschlug wie eine Bombe. Besonderer Clou war eine Mitmachaktion in der Mitte des Stücks, bei der sich das Publikum auf den Boden setzen sollte, um beim Wiederaufnehmen des Refrains pfeilschnell in die Höhe zu schießen.

Der prägnanteste neue Titel war eindeutig Sabateur, zu dem Luke hinter einem Piano Platz nahm. Meine Befürchtung, er und die Kooks könnten jetzt auf den Pfaden von Chris Martin und Coldplay wandeln, wurde aber nicht war, denn das Ganze klang eher nach Radiohead.

Auch neu: der Drummer. Er sah mit seinem kantigen, aus einem einzigen Holzblock geschnitzten Gesicht aus wie Renate Künast. Wahrscheinlich handelte es sich um Renato Künast oder so...

The Kooks sind und bleiben eine Band mit Potential!

Setlist The Kooks, Festival Rock en Seine 2010:

01: Always Where I Need To Be
02: Eddie's Gun
03: You Don't Love Me (The Way That I Love You)
04: Sway
05: Strange One
06: Ooh La
07: She Moves In Her Own Way
08: Sabateur
09: Do You Wanna (Make Love To Me)
10: Naive
11: Shine On
12: Down To The Market
13: Stormy Weather
14: Sofa Song


The Kooks in Deutschland:

2. September, Sommergarten, Messe Berlin


Aus unserem Archiv:

The Kooks, Paris, 17.11.08
The Kooks, Luxemburg, 21.06.08
The Kooks, Köln, 17.06.08
The Kooks, Köln, 12.04.08
The Kooks, Paris, 02.07.07
The Kooks, Köln, 03.12.06
The Kooks, Paris, 10.11.06


Konzertankündigung: Pete & The Pirates


Konzertankündigung: Pete & The Pirates
Orte: s. unten
Daten: s. unten


Pete & The Pirates sind eine dieser Perlen, die zu unrecht viel zu wenig bekannt sind. Die nicht nach Peter Pan benannte Band stammt aus Reading und hat mit Little Death 2008 ein wunderbares Debüt-Album voll mit fabelhaft-melodischen Pop-Songs veröffentlicht. Manchmal erinnert ihre Musik an die Maccabees, vor allem die vielen Brüche und Wendungen innerhalb der Stücke aber auch der Einfluß der neuen englischen Folkszene ist unverkennbar.

Wir hatten bisher nur dreimal Gelegenheit, diese großartige Band zu sehen (und zu beschreiben), denn bisher waren Auftritte in Frankreich und Deutschland (da nur als Support) rar. Da Pete & The Pirates aber gerade an ihrem zweiten Album arbeiten, werden vielleicht bald regelmäßiger Berichte bei uns zu lesen sein. Den Anfang macht jedenfalls eine kurze Deutschland-Tour, über die wir berichten werden.

Nicht verpassen, es lohnt sich!


Konzerttermine Pete & The Pirates:

05.09.10: Yellow Stage, Frankfurt
06.09.10: Atomic Café, München
07.09.10: Gleis 22, Münster
29.09.10: Arena, Wien

Links:

- unser Interview mit Pete & The Pirates
- Pete & The Pirates, Luxemburg (Support Maximo Park), 19.10.09
- Pete & The Pirates, Köln, 26.09.08
- Pete & The Pirates, Paris, 18.03.08



Red Shoe Diaries & The Cavalcade, Paris, 01.09.10


Konzert: Red Shoe Diaries & The Cavalcade

Ort: L'international, Paris,
Datum: 01.09.2010
Zuschauer: viele, ungefähr 250


So. Nach so vielen Festivals mit großen Namen und Tausenden von Zuschauern gibt es auf dem Konzerttagebuch endlich mal wieder was für Fans des kleinen, feinen Indiepops. Bei den feisten Massenveranstaltungen des Sommers tauchen tolle Twee- Bands wie die Red Shoe Diaries oder The Cavalcade so gut wie nie auf. Sie werden plattgewalzt von Gruppen mit einem üppigen Marketingetat und und gewievten Managern. Schön, daß es im International anders zugeht!

Verantwortlich für das charmante Line Up des heutigen Abends waren 4 junge Pariser namens Joanny, Clémence, Marion und Emilie, die ihre Konzertreihe Another Sunny Night nennen und heute ihren zweiten Gig im International organisierten. Ende Juli hatten sie mich bereits durch die Programmierung von den Smittens und Allo Darlin' begeistert und heute schafften sie es erneut, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Die Macher der Another Sunny Night haben aber auch wirklich einen exquisiten Geschmack! Ihre Lieblingskünstler nennen sich unter anderem Belle & Sebastian (logisch, bei dem Namen!), The Field Mice, Teenage Fanclub, The Smiths, The Pastels oder Camera Obscura und ihre favorisierten Label Sarah Records, Postcard Records, Cloudberry oder Slumberland. Entzückender geht es kaum!

Logisch, daß auch die heutigen Konzerte den Stilrichtungen Twee/60ies Pop/Indiepop zuzuordnen waren. Die Franzosen Lovely Rita hatte ich verpasst, aber zu den Engländern The Cavalcade stand ich pünktlich auf der Matte. Hinter dem Bandnamen verbergen sich zwei junge Herren namens Craig Phillips und Stephen Birtchnell, die frisch und unbeschwert aufspielten und so unschuldig und zart wie der erste Kuss klangen (man verzeihe mir meine platte Metapher, aber irgendwie passt sie hier). Felt, The Smiths und die Young Marble Giants heißen ihre Lieblingsgruppen und von diesen steckte auch einiges im Sound von The Cavalcade. Ihr Set gefiel mir gut, hätte allerdings etwas fetziger sein können. Manchmal fehlte einfach das Schlagzeug, um mehr Abwechslung und Pfeffer in die Sache zu bringen. Dennoch lohnt sicherlich die Anschaffung ihres kürzlich erschienenen Debütalbums Many Moons von denen sie so einige träumerische Lieder spielten. Ein gelungener Auftakt!

The Cavalcade live in Deutschland:

29.09.2010: Wimp Club @ Ostpol, Dresden
30.09.2010: Let's Kiss And Make Up, Berlin
19. 10.2010: Prinz Willy, Kiel


Als letzte Band gingen die Red Shoe Diaries an den Start. Und die waren richtig dufte! Fünf junge Musiker aus Nottingham, England, die den zauberhaftesten Pop spielten, den man sich nur vorstellen kann. Ein blonder Hüne sang den Großteil der Texte, aber auch die unverschämt niedliche Dame in der von Männern dominierten Band trällerte herzallerliebst ins Mikro. Umwerfend charmant wie sie tanzte, die 60er Jahre, sie leben noch! Sämtliche Songs waren so dermaßen süffig und lieblich, daß ich Glückshormone en masse aussonderte. Hach, das war wirklich was fürs Herz! Aber auch die Tänzer kamen auf ihre Kosten, denn zu den schwungvollen Nummern konnte man herrlich mitwippen. Toll, diese Red Shoe Diaries! Wer die nicht mag, frisst auch kleine Kinder! Logisch, daß ich nach dem viel zu schnell zu Ende gehenden Konzert unbedingt ihre Debüt EP haben musste. Auch hier zeigte sich, daß bei den heutige aufgetretenen Gruppen alles mit Hand und Liebe gemacht wurde: Der Bassist schrieb mir noch schnell mit einem schwarzen Textmarker die Namen der Titel auf die Rückseite des Pappcovers. Das hatten sie wohl im Tourbus auf dem Weg nach Paris nicht mehr geschafft. Ist das nicht enzückend?

Setlist Red Shoe Diaries, L'International, Paris, Another Sunny Night # 2:
01: Parisian
02: Underage Disco
03: Penpals
04: Fossils
05: Infinity + 1
06: Rainy
07: Ice & Snow
08: Snow Bird
09: Fireflies
At Dawn


Mittwoch, September 01, 2010

Beirut, Festival Rock en Seine, Paris, 29.08.10


Konzert: Beirut

Ort: Domaine National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine bei Paris

Datum: 29.08.10

Zuschauer: mehrere zehntausend

Konzertdauer: etwa 50Minuten




Ja was denn nun? Ist Beirut jetzt total langweilig oder doch hoch spannend?


Da scheiden sich die Geister. Einige Musikfans, die die Festival- Auftritte von Beirut beim Haldern Pop und bei Rock en Seine gesehen hatten, äußerten sich ziemlich negativ. "Zum Einschlafen!, so ihr hartes Urteil. Andere wiederum schnalzten mit der Zunge und schwärmten von den herzerwärmenden Trompeten-Konzerten. Schwer zu sagen, wer recht hat. Gerade bei Festivals kommt es sicherlich auch darauf an, wo man sich auf dem Gelädne befindet. Wenn man weit weg ist und das Geschehen nur am Rande verfolgt, ist es nur logisch, daß die Sache an einem vorbeigeht. Am besten man ist nahe dran und bekommt neben der Musik auch noch die Mimik und die Gestik der Künstler mit. Bei einer Sophie Hunger beispielsweise kann ich mir gar nicht vorstellen, wie man mitfiebern will, wenn man die packende Mimik der Schweizerin nicht sieht (wie sie den Mund verzieht, leidet, explodiert, toll!).

Im Falle von Beirut bei Rock en Seine hieß es deshalb für mich: Mittendrin statt nur dabei! Ich ließ meinen Hunger Hunger sein (hat jetzt grad nix mit der Sophie zu tun) und stellte mich 40 (!) Minuten vor Beginn des Konzertes vor der Hauptbühne an. So etwas mache ich sonst nie, aber hier musste es sein, denn das Gelände der Domaine National de Saint Cloud ist so riesig, daß man von weitem die Akteure nur auf der Leinwand sehen kann. Ich wollte aber kein Kino, sondern ein richtiges Liveerlebnis. Also stand ich bereits um 17 Uhr 20 in der dritten Reihe und wartete auf Godot, ähem nein, auf Beirut natürlich! Viele Mädchen standen und saßen um mich rum, was darauf schließen lässt, daß Zach Condon mit seinem Lausbubencharme gut bei den Weibern ankommt. Dabei dachte ich immer, daß Frauen nicht auf Softies und Romantiker stehen, aber anscheinend gibt es Ausnahmen, wenn der Softie Trompete und Ukulele spielen kann. Nun gut.

Pünktlich um 18 Uhr kam dann Zach zusammen mit seiner Band wirklich auf die Bühne geschlichen, ein Köfferchen und einen Fotoapparat in der Hand. Wohl immer noch erstaunt darüber, inzwischen vor zigtausend Leuten zu spielen, schoß der Trompeten-Titan ein Foto von den Zuschauern. Dann ging es mit Schwung los. Im Nu wurde im Publikum zu Nantes geschunkelt und mitgesungen. Die Stimmung war prima und viele Mädchen kletterten auf die Schultern ihrer Freunde, um besser sehen zu können. Zach und seine Mitstreiter bliesen mit der Kraft der drei Trompeten den Leuten den Marsch. Der Drummer grinste währenddessen wie ein Honigkuchenpferd und der Akkordeonspieler erinerte mich mit seinen schwarzen Locken und dem blaßen Teint an Robert Smith. Eine lustige und hochsympathische Truppe! Der Chef selbst sprach in den Pausen zwischen den Songs immer mal wieder in gebrochenem französisch, was beim patriotischen Publikum sehr gut ankam. Schließlich hatte Zach eine ganze Weile in Paris gelebt und nicht nur Nantes, sondern auch Cherbourg, eine andere französische Stadt, besungen. Das Pariser Indiepublikum hat deshalb früh eine Liebesbeziehung zu Beirut aufgebaut, die auch durch tolle Videosessions mit der Blogothèque befeuert wurde. Daß der engelsgleiche Knabe aber vor solch vielen Leuten wie heute spielt, war neu. In ganz kleinen Locations hatte er angefangen und nun das: Ein Auftritt auf der Hauptbühne bei einem der größten Festivals in Frankreich! Sein berühmt-berüchtigtes Lampfenfieber schien Zach aber dennoch gut im Griff zu haben. Sein Gesang war fest und sicher und Trompete und Ukulele spielt er noch im Schlaf.

Das Set war songtechnisch gut durchgemischt, alte und neue Stücke hielten sich die Waage. Ich persönlich freute mich am meisten über Elephant Gun und Postcards From Italy, denn mit diesen melancholischen Liedern hatte ich den Künstler aus New Mexiko entdeckt. Am besten kam beim Publikum aber die Schlußphase an. Mit A Sunday Smile (von tausenden Kehlen mitgesungen), Mount Wroclai und dem berauschenden The Gulag Orkestar landete die Band einen lupenreinen Hattrick. Die Mädels jubelten und Zach verabschiedete sich auch noch mit einer charmantenLiebeserklärung: "Je vous aime."

Beirut mag in einem mittlgroßen Club zwar besser zu gefallen, seine Auftritte bei Festivals als langweilig zu bezeichnen, finde ich aber unfair.




Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar



Dienstag, August 31, 2010

Roken is Dodelijk, Festival Rock en Seine, 27.08.10


Konzert: Roken is Dodelijk

Ort: Festival Rock en Seine, Scène de l'Industrie

Datum: 27.08.10



Unbedingt ein paar Sätze sind noch zu den frischen Franzosen Roken is Dodelijk (holländisch für "Rauchen ist tödlich") zu sagen. Die vielköpfige Band spielte am ersten Tag des Rock en Seine Festivals vor den Toren von Paris und bereitete mir mit ihrem stimmungsvollen Power Pop einen glänzenden Einstieg in die Veranstaltung, die an weiteren Entdeckungen leider recht dürftig blieb. Roken is Dodelijk stammen aus dem nordfranzösischen Lille und haben sich bereits ein paar mal in der Kapitale blicken lassen. Bisher hatte ich es aber nie geschafft, sie mir einmal live anzusehen. Dieses Versäumnis habe ich nun nachgeholt und ich bin froh drum! Ihre melodiösen und charmant unschuldig klingenden Lieder boten sie mit viel Pfeffer dar und sorgten an einem eher sonnenarmen Tag für strahlende Gesichter im Publikum . Eine in der Presse sehr positiv beschriebene E.P. R.I.P. ist bereits erschienen und nach dem tollen Eindruck, die die Nordfranzosen hinterlassen haben, ist klar, daß ich dieses Machwerk auch unbedingt haben muss. Ansonsten ist noch erwähnenswert, daß die Keyboarderin der Band auch ihr eigenes Soloprojekt am Start hat. Lena Deluxe heißt die blondgelockte junge Dame und auch ihr Werk lohnt zumindest eine Stippvisite. Wer kann schon wie sie mit einem tollen Libertines Cover von You Can't Stand Me Now aufwarten?